Generation Allah: Große Resonanz auf dem Abend mit Ahmad Mansour

Eine überwältigende Resonanz verzeichnete die Landeszentrale für politische Bildung für den Vortrag von Ahmad Mansour zum Thema „Generation Allah: Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“. Trotz der Verlegung der Veranstaltung in einen größeren Raum im Landesmuseum fanden nicht alle Interessierten Platz.

Ausgehend von seiner eigenen Situation beschrieb Mansour die Verhältnisse, unter denen muslimische Jugendliche sich von radikalen Islamisten angezogen fühlen. Er selbst  -  in einem kleinen arabischen Dorf in Israel 1976 geboren, aufgewachsen und eher ein Außenseiter – fühlte sich nicht angenommen und akzeptiert. Das änderte sich, als er über die Ansprache eines Imams Kontakte zu radikalen Islamisten bekam; so wurde er in seiner Jugend selbst radikaler Islamist.

Wiedersprüche aufgedeckt

Insbesondere seine veränderte Lebenssituation zu Beginn seines Psychologiestudiums führte dazu, das Erlernte in Frage zu stellen, Widersprüche aufzudecken und sich vom Islamismus loszusagen. Sein persönlicher Hintergrund führte dazu, dass er sich in vielen Projekten für den Kampf gegen Radikalisierung von Jugendlichen engagiert – seit 2004 lebt und arbeitet er in Berlin. Seine eigenen Erfahrungen und Einblicke erleichtern ihm, an Schulen und in Vorträgen die zentralen ideologischen Komponenten und Strategien radikaler muslimischer Gruppierungen aufzuzeigen.

Mit kurzen Videos und Bildern veranschaulichte Mansour die ideologischen Komponenten mit Stichworten wie Antisemitismus, Buchstabenglaube, Betonung  der Opferrolle und dem Angebot, sich in salafistischen Gruppen von dieser zu befreien und gleichberechtigt, akzeptiert und anerkannt zu werden. Die Strategien basieren dabei auf einer Angstpädagogik, die bei Abweichungen Tod und Hölle heraufbeschwört, die aber andererseits denen, die sich den Regeln unterwerfen, ein moralisches Überlegenheitsgefühl und Macht über andere verleiht. Die Ideologie wird zur Legitimation, Gewaltphantasien auszuleben, die noch zusätzlich mit der Aussicht auf das Paradies belohnt werden.

Patriarchalische Familienstrukturen

Dabei können sich die Islamisten auf Strukturen und Ansichten stützen, die auch in gemäßigten Varianten des Islam zu finden sind. So werde der Buchstabenglaube von vielen Imamen gepredigt, die restriktiv und strafend auf Fragen reagieren, statt sie zu beantworten oder zu erklären. Des weiteren seien patriarchalische Familienstrukturen, in denen eine starke Hierarchie zu Bevormundung und teilweiser Entmündigung der Kinder,  insbesondere der Mädchen führt, mitverantwortlich für deren Steigerung zu autoritären islamistischen Weltbildern. Oder – so paradox das klingen mag – für die Anfälligkeit von Frauen für die islamistische Ideologie, da dort in einem gewissen Sinne ein Ausbruch aus der sie zurücksetzenden Struktur geboten wird und Gleichberechtigung insofern stattfindet, als dass die Männer einem ähnlich rigiden System unterworfen werden, wie die Frauen.

Viele betroffene Eltern berichten ihm, dass ihre Kinder plötzlich hochmotiviert seien und sich gerne für die Salafisten-Szene engagieren würden. Es mache Ihnen schlicht und ergreifend Spaß, mit anderen Jugendlichen für eine gemeinsame Sache zu kämpfen. „Salafisten sind leider häufig noch die besseren Sozialarbeiter“, konstatierte Mansour.

Politik, Sozialarbeit und Pädagogik müssen umdenken

Immer wieder warnte er jedoch auch davor, zu verallgemeinern und unikausale Ursachen beziehungsweise Lösungen zu suchen. Vielmehr müsse jede Einzelfall genau betrachtet und hinterfragt werden, bevor Urteile gefällt würden. Es müsse ein Umdenken in Politik, Sozialarbeit und Pädagogik geben und nicht nur punktuelle, sondern flächendeckende und langfristige Präventionskonzepte entwickelt und umgesetzt werden, die demokratische Werte vermitteln und Partizipationsmöglichkeiten anbieten.

Das Buch Thema „Generation Allah: Warum wir im Kampf gegen religiöse n Extremismus umdenken müssen“, in dem Mansour diese wie viele weitere Argumente ausführt, kann gegen eine Bearbeitungspauschale bei der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Am Kronberger Hof 6, 5516 Mainz, bestellt werden.

Hier finden Sie einen fünfminütigen Audiomitschnitt des Vortrages von Ahmad Mansour.