75 Jahre Rheinland-Pfalz

Unser Land Rheinland-Pfalz wird 75 Jahre alt. 1947 als „Land aus der Retorte“ gegründet, war das aus unterschiedlichen Regionen zusammengesetzte Land neben der Bewältigung der sozialen Folgen des Kriegs auch mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Diktatur und des Unrechts beschäftigt. Gleichzeitig mussten sich die Menschen zwischen Altenkirchen und Bad Bergzabern eine neue Identität schaffen.

Die Landeszentrale für politische Bildung begleitet den 75. Geburtstag mit einer Reihe von (Online-)Veranstaltungen zu unterschiedlichen Aspekten rheinland-pfälzischen Lebens seit 1947. So werden die Beziehungen zu den für Rheinland-Pfalz prägendsten Ländern beleuchtet, also zu Frankreich als ehemalige Besatzungsmacht und zu den USA, die dem Land den Beinamen „Flugzeugträger“ im Kalten Krieg gaben. Zudem wird die Frage in den Blick genommen, wie sich die Gedenkarbeit entwickelt hat oder wie sich das Leben für jüdische Menschen, queere Menschen oder Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz angesichts der Verfolgung während des Nationalsozialismus darstellt. Ein weiterer Schwerpunkt gilt der Entwicklung von Rheinland-Pfalz vom eher agrargeprägten Bundesland hin zu einem Standort für Medien, Wissenschaft, Forschung und Kultur. Und klar, dass auch der diesjährige Schüler- und Jugendwettbewerb eines der drei Themen dem Landesjubiläum widmet.

So vielfältig wie sich unser Land in den vergangenen 75 Jahren entwickelt hat, so vielfältig ist auch die Auswahl an Veranstaltungen, mit der die Landeszentrale für politische Bildung die Geburtstagsfeierlichkeiten begleitet. Seien Sie dabei!

Veranstaltungsüberblick

Mai

Dienstag, 10.5.2022, 19.00 Uhr, Online
"Durchaus kein Ewigkeitswert": Zwänge, Hoffnungen und Enttäuschungen bei der Schaffung des Landes Rheinland-Pfalz im August 1946

Referent:
Univ.-Prof. Dr. Stephan Laux, Universität Trier Fachbereich III – Geschichte, Professur für Geschichtliche Landeskunde

Podiumsdiskussion am Donnerstag, den 12.5.2022, 18:00 Uhr, Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, Jakob-Steffan-Saal, Valenciaplatz 1-7, 55118 Mainz
„Hass im Netz – Strafverfolgung im Internet“

Beleidigungen, Bedrohungen, Volksverhetzung: Mit dem Gesetzespaket gegen Hass und Hetze will der Staat effektiver gegen Hasskriminalität im Netz vorgehen. Wer Hass-Postings verbreitet, muss nicht nur mit härteren Strafen rechnen. Ab Februar 2022 werden zudem die sozialen Netzwerke härter in die Pflicht genommen. Denn diese müssen solche Inhalte nicht nur löschen, sondern auch dem Bundeskriminalamt melden. Schätzungen gehen von rund 250.000 Meldungen pro Jahr aus.

Was bedeutet diese Novelle des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) für die Strafverfolgungsbehörden in Rheinland-Pfalz? Wie ist die Polizei Rheinland-Pfalz aufgestellt? Und was sagen Betroffenenvertreter? Die Podiumsdiskussion will eine erste Bilanz ziehen.

Donnerstag, 17.5,2022, 19.00 Uhr, Mainz, Landeszentrale für politische Bildung, Am Kronberger Hof 6
"75 Jahre queeres Rheinland-Pfalz"

Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transidente und intergeschlechtliche Menschen waren von Anfang an dabei – aber weder gleichwertig noch mit gleichen Rechten, denn der Einfluss konservativer Kräfte war in Rheinland-Pfalz stark und prägte die Geschichte der frühen Bundesrepublik über das Bundesland hinaus. Rheinland-Pfalz weist aber auch eine beachtenswerte Geschichte der Emanzipation auf.

Der Vortrag von Dr. Chr. Könne, einem Experten der queeren Landesgeschichte von Rheinland-Pfalz, wird verschiedene Zeiten und Aspekte rheinland-pfälzischer Geschichte aus „queerer Perspektive“ an teils unerwarteten Orten zeigen: Zeiten der Verfolgung und Zeiten der Emanzipation. Im anschließenden Gespräch gibt es Möglichkeiten zum Austausch

Dienstag, 17.5.2022, 19.00 Uhr, Online
75 Jahre Rheinland-Pfalz Jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz. Was war? Was ist? – Reflexionen zu Vergangenheit und Gegenwart –

Das Judentum in Rheinland-Pfalz blickt auf eine überaus reiche Geschichte zurück. Angefangen bei den Rabbinern der SchUM-Stätten über die Arbeit jüdischer Weinbauern, die später in Kalifornien zu Pionieren wurden, bis hin zur Neo-Orthodoxie, die religiösen Minderheiten heute noch als Vorbild dienen kann, beeinflusste es jüdisches Denken.
Anhand des Lebens ihres verstorbenen Mannes, Rabbiner Leo Trepp, schaut Gunda Trepp zurück. Und gemeinsam mit Gerrard Breitbart, langjähriger Vorsitzende der Mainzer Jüdischen Gemeinde, reflektiert sie die Entwicklungen nach der Schoah.

Donnerstag, 19.05.2022, 18.00 Uhr,  Gedenkstätte KZ Osthofen, Ziegelhüttenweg 38, 67574 Osthofen
„NS-Juristen nach 1945 und Personalpolitik in Rheinland Pfalz“

Wie in vielen Bereichen der Verwaltung und des öffentlichen Lebens war auch in der Justiz die Zeit nach 1945 durch personelle Kontinuitäten geprägt. Obgleich sie an NS-Verbrechen direkt oder indirekt beteiligt gewesen waren, blieben auch in Rheinland-Pfalz zahlreiche Richter und Staatsanwälte nahezu unbehelligt im Amt und machten teilweise sogar weiter Karriere. Joachim Hennig, Richter a.D., stellt anhand von Biographien seine langjährigen Forschungen zur rheinland-pfälzischen Personalpolitik in der Justiz in der Nachkriegszeit vor.

Referent:
Joachim Hennig, Richter i.R., Stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V.

Donnerstag, 19.5.2022, 18.30 Uhr Mainz, Landeszentrale für politische Bildung, Am Kronberger Hof 6
„Rheinland-Pfalz schreibt Mediengeschichte“

Der Rundfunk ist ein junges Medium, nach dem Krieg aber sehr vorbelastet. Das junge Rheinland-Pfalz wird sehr schnell zu einer ersten Adresse des Fernsehens. Neben dem SWR haben bald auch das ZDF und private Sender hier ihre Heimat. Der rundfunkpolitische „Urknall“ hat hier seinen Ursprung. Dr. Wolfgang Ressmann hat diese Zeit nicht nur wissenschaftlich bearbeitet, er war und ist Gestalter der Ereignisse und weiß, einige Anekdoten beizutragen. Er ist promovierter Sozialwissenschaftler, Leiter des Offenen Kanals Ludwigshafen und Vorsitzender des Bundesverbandes Bürgermedien (bvbm).

 

 

Juni

Juni 2022, 18.00 Uhr, Gedenkstätte KZ Osthofen, Ziegelhüttenweg 38, 67574 Osthofen
75 Jahre Rheinland-Pfalz = 75 Jahre Erinnerung an die NS-Zeit – ein Podiumsgespräch (Arbeitstitel)

Wie sollen wir uns erinnern? Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus bildet den Kern nachkriegsdeutscher Identität. Sie definiert unser Verhältnis zu uns selbst und unseren Nachbarn, trennt und vereint Generationen. Zum 75. Geburtstag des Landes Rheinland-Pfalz berichten Akteur*innen aus verschiedenen Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen über die oft kleinen Anfänge der Erinnerung an die NS-Zeit an einzelnen Orten in Rheinland-Pfalz, über Widerstände und Unterstützung und geben damit einen Einblick, in die vielfältige Gedenkstättenlandschaft in Rheinland-Pfalz. Gemeinsam mit dem Referat „Gedenkarbeit“ der Landeszentrale für politische Bildung soll aber auch der Blick in die Zukunft gerichtet werden: Wie kann gemeinsam die Erinnerung an den Nationalsozialismus auch in künftigen Generationen aufrecht erhalten werden?

Referenten: Vertreter*innen verschiedener Mitgliedsorganisationen der LAG und des Referates „Gedenkarbeit“ der LpB

 

Juli

ab Dienstag, 5.7.2022 Landtag Rheinland-Pfalz
Ausstellungseröffnung Schüler- und Jugendwettbewerb Thema „Glückwunsch zum Jubiläum! 75 Jahre Rheinland-Pfalz“

„Glückwunsch zum Jubiläum! 75 Jahre Rheinland-Pfalz“ lautet eins der drei Themen des 36. Schüler- und Jugendwettbewerbs 2022. Gemeinsam mit dem Landtag Rheinland-Pfalz richtet die LpB bereits zum 36. Mal den Schüler- und Jugendwettbewerb aus. Neben zwei weiteren spannenden Themen steht dieses Jahr vor allem das Landesjubiläum im Fokus. Seit 75 Jahren besteht und entwickelt sich unser Bundesland. Das ist ein willkommener Anlass, um zurückzublicken, den Ist-Zustand zu analysieren und Visionen für die Zukunft zu entwickeln.

Wer auf die Ergebnisse neugierig ist, kann sie ab dem 5. Juli 2022 im Foyer des Abgeordnetenhauses in Mainz im Rahmen einer Ausstellung der prämierten Arbeiten anschauen.

Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung RLP und Landtag Rheinland-Pfalz

 

 

 

August

Montag 1. bis Freitag 5.8.2022, (Ort wird noch bekanntgegeben)
„Summer School 2022 der Atlantischen Akademie“

Das Land müsse wieder geeint werden. Im Kampf gegen die Corona-Epidemie stünden wichtige gesundheitspolitische Entscheidungen an und die Infrastruktur der USA liege in weiten Teilen brach. Zudem müsse die USA wieder eine Führungsrolle in der Weltpolitik übernehmen und Alliierte und Freunde wieder als solche behandelt werden.

Während der Summer School 2022 werden ausgewiesene USA-Expert*innen in Vorträgen zur Diskussion über die Grundlagen und Strukturen des amerikanischen politischen Systems sowie zu einzelnen Politikfeldern der Innen- und Außenpolitik sprechen. Die Vorträge finden in deutscher und englischer Sprache statt. Geplant ist auch eine Exkursion zur Ramstein Air Base.

Veranstalter: Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz e.V. Lauterstr. 2, 67657 Kaiserslautern

Kooperationspartner: Landeszentrale für politische Bildung RLP, Bundeszentrale für politische Bildung, US-Botschaft

 

 

 

Oktober

Donnerstag, 06.10.2022, 18.00 Uhr, Ob Online-Veranstaltung oder als Präsenzveranstaltung wird noch festgelegt.
"Reden wir über Europa!" - Föderalismus: Rheinland-Pfalz als europäisches Exempel

In der Veranstaltungsreihe „Reden wir über Europa!“ diskutieren Expertinnen und Experten das föderalistische System im Hinblick auf die staatliche Bewältigung von Krisen. Wie leistungsfähig ist der Föderalismus, bspw. in Deutschland, und wie der Zentralismus Frankreichs?

Reden wir über Europa!
Betrachtet werden Traditionen und Brüche: das Selbstverständnis Frankreichs als „unteilbare Republik“, der totalitäre Machtstaat in NS-Deutschland mit der Gleichschaltung der Länder, sowie die Gründung von Rheinland-Pfalz mit einer dezentralen Ordnung, die vom Zentralstaat Frankreich gefördert wurde. Es moderiert Prof. Dr. Johannes Paulmann, Direktor des IEG

Eine Veranstaltung der LpB RLP gemeinsam mit dem IEG Mainz.

Kooperationspartner: Institut français Mainz.

Ansprechpartner

Bernhard Kukatzki

E-Mail: bernhard.kukatzki@remove-this.politische-bildung-rlp.de

06131 - 16 29 71

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